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Mehr Milliardär:innen: Rekordvermögen und ein globaler Umbruch in der Superreichen-Klasse

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Die Zahl der Milliardär:innen und ihr kollektives Vermögen sind im Jahr 2025 auf neue Rekordhöhen gestiegen, wie der aktuelle Billionaire Ambitions Report 2025 der Schweizer Großbank UBS in Zusammenarbeit mit dem Beratungsunternehmen PwC zeigt. Weltweit zählt man inzwischen fast 2.919 Milliardär:innen, ein Anstieg von rund 8,8 % gegenüber dem Vorjahr, während das Gesamtvermögen dieser Superreichen auf rund 15,8 Billionen US-Dollar gewachsen ist, was einem Plus von etwa 13 % entspricht und einen historischen Höchststand markiert. Dies bedeutet nicht nur eine beeindruckende Konzentration von Vermögen in den Händen einer vergleichsweise kleinen Gruppe, sondern auch eine starke Dynamik in der globalen Wohlstandsverteilung, die anzeigt, wie stark Kapital und Innovation in bestimmten Sektoren und Regionen zusammenlaufen. Besonders auffällig ist dabei der Einfluss wachstumsstarker Branchen wie Technologie und speziell Künstliche Intelligenz (KI), die einen erheblichen Anteil am Vermögenszuwachs der reichsten Personen der Welt haben. Laut UBS-Report haben insbesondere Tech-Milliardär:innen ein Vermögenswachstum von fast 24 % verzeichnet, deutlich stärker als traditionelle Sektoren wie Konsum und Einzelhandel. Dahinter stehen Bewertungen von Technologieunternehmen, die im Zuge der Entwicklung und Kommerzialisierung von KI und datengetriebenen Geschäftsmodellen massiv gestiegen sind und zahlreiche Unternehmer:innen in neue Vermögensbereiche katapultiert haben. Gleichzeitig spielt der Generationswechsel in reichen Familien eine zunehmende Rolle: Im Jahr 2025 erhielten 91 Erbinnen und Erben durch Vermögensübertragungen insgesamt fast 298 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 36 % gegenüber dem Vorjahr, und Experten schätzen, dass bis 2040 rund 6,9 Billionen US-Dollar im Rahmen von Erbschaften an jüngere Generationen weitergegeben werden. Dieser große Wealth Transfer verändert nicht nur die Zusammensetzung der Superreichen-Klasse, sondern auch die Art und Weise, wie Vermögen selbst eingesetzt wird, weil viele junge Erbinnen und Erben stärker auf Diversifizierung, unternehmerisches Engagement und Innovationsförderung setzen. Geographisch bleibt Nordamerika der wichtigste Standort für Milliardär:innen: Mit rund 924 Milliardär:innen stammen fast ein Drittel aller Superreichen aus den Vereinigten Staaten und dominieren weiterhin die globale Rangliste. Daneben gewinnen Regionen wie Asien und der Pazifikraum stark an Bedeutung, getragen durch dynamische Märkte und stark wachsende Tech-Ökosysteme in Ländern wie China und Singapur, die neue Wohlstandsentstehung katalysieren. Auch in Europa, etwa in Deutschland, ist ein deutlicher Anstieg der Zahl der Milliardär:innen zu beobachten, der teilweise erheblich über dem globalen Durchschnitt liegt und die Bundesrepublik zu einem der bedeutenden Standorte für vermögende Unternehmer:innen macht. Trotz dieses Wachstums bleibt die Superreichen-Gemeinschaft nach wie vor stark unausgewogen: Männer dominieren zahlenmäßig und vermögensmäßig nach wie vor die Liste, während Frauen zwar in den letzten Jahren prozentual gesehen stärker an Vermögen gewonnen haben, aber insgesamt einen vergleichsweise kleinen Anteil der Milliardär:innen stellen. Dieses Ungleichgewicht spiegelt breitere strukturelle Herausforderungen in der globalen Wirtschaft wider, etwa im Zugang zu Kapital, Netzwerken und Ressourcen für Gründerinnen und Unternehmerinnen. Ein weiteres Merkmal der neuen Wohlstandselite ist ihre hohe Mobilität: Viele Milliardär:innen geben an, bereits ihren Wohnsitz gewechselt zu haben oder dies wegen steuerlicher, politischer oder persönlicher Gründe aktiv zu erwägen, was die wachsende Bedeutung internationaler Steuer- und Lebensqualitätsfaktoren unterstreicht. Diese Entwicklungen führen zu intensiven Debatten über die sozialen und politischen Folgen des Wachstums der Superreichen. Während Vertreter:innen der Wirtschaft die Rekordzahlen häufig als Ausdruck wirtschaftlicher Dynamik und Innovationskraft interpretieren, warnen kritische Stimmen aus Wissenschaft, Politik und zivilgesellschaftlichen Organisationen vor den Risiken einer sich vertiefenden Vermögensungleichheit. Der World Inequality Report 2026 weist darauf hin, dass ein winziger Bruchteil der Weltbevölkerung mittlerweile mehr Vermögen kontrolliert als die ärmere Hälfte der Menschheit zusammen, und fordert Maßnahmen zur Begrenzung extremer Ungleichheiten, die demokratische Prozesse und sozialen Zusammenhalt gefährden könnten. Organisationen wie Oxfam kritisieren, die globale Ökonomie entwickle sich immer mehr zu einer „aristokratischen Oligarchie“, in der immer größere Vermögensmengen in immer weniger Händen konzentriert sind, während breite Teile der Bevölkerung bei Einkommen und Lebensstandards kaum profitieren. Diese Kritik richtet sich nicht nur gegen die bloße Existenz von Reichtum, sondern gegen Fragen der steuerlichen Beteiligung, des Zugangs zu Chancen und der Verantwortung für gesellschaftliche Herausforderungen wie Klimawandel, Bildung und Gesundheit. Vor diesem Hintergrund stehen Regierungen weltweit vor komplexen Fragen: Wie kann wirtschaftliches Wachstum und Innovationspotential gefördert werden, ohne dass dadurch soziale Ungleichheiten weiter verfestigt werden? Welche Rolle spielen Vermögens- und Erbschaftssteuern, internationale Steuerharmonisierung und staatliche Investitionen in öffentliche Güter, um eine gerechtere Verteilung von Chancen und Ressourcen zu erreichen? Ökonom:innen argumentieren, dass gezielte politische Maßnahmen nicht nur die Leistungsfähigkeit eines Landes stärken, sondern auch das Vertrauen in demokratische Systeme erhöhen können, indem sie sicherstellen, dass Wohlstand breiter geteilt wird. Zugleich warnen andere, übermäßige Regulierung könne unternehmerische Initiative und Investitionsbereitschaft dämpfen, was letztlich den Wohlstand insgesamt beeinträchtigen könnte. Diese ambivalente Debatte zeigt, dass der Reichtums- und Wohlstandsboom der Milliardär:innen kein rein technokratisches Phänomen ist, sondern tiefgreifende gesellschaftliche Fragen berührt: die Bedeutung fairer Chancen, die Balance zwischen individuellem Erfolg und kollektiver Verantwortung, und die Frage, wie Volkswirtschaften innovativ und zugleich inklusiv gestaltet werden können. Trotz der Kritik bedeutet der Anstieg der Milliardär:innen-Zahlen aber auch, dass Unternehmer:innen Arbeitsplätze schaffen, in Zukunftstechnologien investieren und globale Wertschöpfung vorantreiben. Bereiche wie KI, Biotechnologie oder nachhaltige Energie profitieren stark von privatem Kapital, was auch für den gesamten technologischen Fortschritt wichtig ist, selbst wenn die Verteilung der Gewinne daraus ungleich ist. Insgesamt markiert das Jahr 2025 einen Wendepunkt in der Geschichte der globalen Wohlstandsverteilung: Nie zuvor gab es so viele Milliardär:innen und so viel konzentriertes Kapital, und zugleich nie zuvor waren Diskussionen über Verantwortung, gesellschaftliches Engagement und faire Verteilung so präsent. Wie diese Trends sich in den kommenden Jahren fortsetzen werden, hängt maßgeblich davon ab, wie politische Entscheidungsträger:innen, Unternehmen und die Gesellschaft insgesamt auf die Herausforderungen reagieren, die mit extremem Reichtum und globaler Ungleichheit verbunden sind. Während einige auf Selbstregulierung und philanthropische Initiativen hoffen, fordern andere klare gesetzliche Rahmenbedingungen und eine stärkere Stimme der breiten Öffentlichkeit in wirtschaftspolitischen Entscheidungen. In dieser Spannung zwischen Wachstum, Innovation und sozialer Verantwortung wird sich zeigen, wie nachhaltig und gerecht globale Wirtschaftsordnungen in der Zukunft gestaltet werden können.

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