Microsoft kündigt an, die Preise für seine Office-Softwarepakete im kommenden Jahr um bis zu 33 Prozent anzuheben – und kaum jemand zweifelt ernsthaft daran, dass die Kunden bleiben werden, denn genau das ist das seltene Privileg echter Burggraben-Unternehmen: Sie können Preise erhöhen, ohne Abwanderung zu fürchten, und als Aktionär ist das ein Grund zur Freude. Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 29,8 wird Microsoft hoch bewertet, Apple liegt mit 33,9 sogar noch darüber, doch diese scheinbar ambitionierten Multiples erinnern an eine These, die Warren Buffett und Charlie Munger bereits vor rund 30 Jahren formulierten und die sich heute eindrucksvoll bestätigt. Ihre Überlegung war ebenso kühn wie logisch: Die Cashflows von Unternehmen mit einem uneinnehmbaren Wettbewerbsvorteil sollten mit dem Zinssatz von Staatsanleihen diskontiert werden, denn eine zusätzliche Risikoprämie sei überflüssig, wenn ein Unternehmen seinen Konkurrenten strukturell haushoch überlegen ist. Genau diese Denkweise scheint sich an der Wall Street durchgesetzt zu haben, denn professionelle Investoren bewerten die stabilsten Geschäftsmodelle – aus heutiger Sicht – mit KGVs jenseits der 30, da sie ihre Diskontierungssätze in Richtung fünf Prozent gesenkt haben. Für mich persönlich ist diese Theorie gelebte Praxis: Seit dem 23. Januar 2015 bin ich in Microsoft investiert, und meine Halteentscheidung hängt an einer einfachen Frage – könnte ich Microsoft mit zehn Milliarden US-Dollar und einer Neugründung ernsthaft angreifen? Die Antwort ist eindeutig, denn ein solcher Versuch wäre nichts anderes als verbranntes Geld, der Burggraben ist zu tief, die Festung uneinnehmbar, und genau deshalb bleibe ich investiert. Wer tiefer in diese Denkmodelle eintauchen möchte, findet mit dem Buch „Ich habe dem nichts mehr hinzuzufügen“ ein eindrucksvolles Porträt von Charlie Munger, das anhand von Reden, Essays und Anekdoten zeigt, wie der langjährige Partner von Warren Buffett zu einem der prägendsten Investoren und Denker unserer Zeit wurde.



